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Lokale Marktplätze bringen nichts

Vor ein paar Jahren, hatte irgendwo, irgendjemand die Idee eines regionalen Handelsplatzes, um die lokalen Händler vor den Auswirkungen des boomenden Online-Handels zu schützen. Seither zieht sich diese Idee durch die Stadtmarketing-Abteilungen des Landes.

Wir selbst hatten bereits 2003 die regionale Plattform UseMe gestartet und über mehrere Jahre betrieben. Über 90 Initiativen sind heute auf localcommerce.info aufgelistet. Vermutlich kommen monatlich noch immer neue hinzu. Klickt man sich durch die Angebote finden sich die irrwitzigsten Initiativen. Von einer zentralen lokalen Visitenkarte, auf denen gerade einmal Adresse und Öffnungszeiten der Händler gezeigt werden, bis hin zu optisch hochwertigen Shops mit Same-Day-Delivery-Optionen.

Im November 2017 wurde auch in unserer Region - zum wiederholten Male - der Versuch gestartet, eine solche Plattform zu initiieren. Die Werra-Rundschau startete am 01.11.2017 die Plattform KaufDaheimEin.de. Vielmehr als eine Auflistung von Händlern, mit kurzer Beschreibung und ein paar wenigen Angeboten ist - jedoch wieder einmal - daraus nicht geworden. Ruft man die Seite heute auf, erhält man einen trostlosen Einblick in den regionalen Handel. Vor KaufDaheimEin gab es - neben unserem UseMe - auch einige weitere Versuche solche Plattformen zu etablieren. Sogar mit einer App "der ganze Kreis in meiner Hosentasche" - oder so ähnlich - sollte die Rettung nahen.

 

Aus eigener Erfahrung
Bevor ich jetzt jedoch weiter meine Gedanken zum besten gebe, möchte ich kurz klarstellen, dass ich hier nicht gegen den lokalen Einzelhandel oder Stadtmarketing-Initiativen wettern möchte, ich möchte nur - aus Sicht einer Internet-Agentur - darstellen, warum so viele Lokale-Rettungs-Projekte bereits vor dem Start zum scheitern verurteilt sind und woran das möglicherweise liegen könnte. 

Eine fertige Lösung für dieses Problem habe ich nicht. Jedoch habe ich einige Ansätze, die zum denken anregen und evtl. zu neuen Ideen führen können. Ich maße mir an, sagen zu können, dass die bisherigen Ideen bereits von vornherein zum scheitern verurteilt waren. Zum einen habe ich dies bereits durch unsere Plattform UseMe.de selbst erlebt. Ich weiß wie schwierig es ist eine solche Plattform mit aktuellen Daten zu füllen, die Händler bei der Stange zu halten und Besucher auf die Seite zu locken. Und nach über 15 Jahren im Online-Business weiß ich auch, das sich lokales-offline-denken und Werbung mit Flyern oder Anzeigen in der regionalen Presse nicht 1:1 in das digitale Geschäft übertragen lassen. Ich weiß auch, dass offline Werbung durchaus berechtigt ist und funktioniert. Aber was ich deutlich sehe ist, dass die Welt digitaler, grenzenloser und vernetzter wird. Und das schnell - sehr schnell. 

Was also soll Local-Commerce?
Als Ziel von Local-Commerce-Initiativen wird von den Projektentwicklern oft genannt, dass man dem örtlichen Kunden den stationären Einzelhandel wieder näher bringen will. Oder es sollen lokale Produkte durchsuchbar gemacht werden, damit Kunden sehen, was vor Ort gekauft werden kann, um es nicht im Internet bestellen „zu müssen“. Angereichert mit ein bisschen „lokalo“ verkauft sich dieser Ansatz leider immer noch. Und das neue Einkaufserlebnis verspricht dann steigende Umsätze und die Rettung der Innenstädte. 

Warum Local-Commerce quatsch ist
Das Problem beim Local Commerce ist, dass dieser in der Regel nur auf ein eng begrenztes Publikum abzielt. Statt sich als Unternehmer generell für den Markt zu öffnen, wird die Zielgruppe lokal begrenzt. Auf solchen Plattformen finden sich dann einige, meist wenige, dafür aber bunt gemischte Artikel. Ein paar Süßigkeiten, ein Felgenangebot, ein paar Kleider und etwas Schmuck, eine Rabattaktion für die Waschstraße und zwei Porzellansets.

Hier wird - im Gegensatz zum Sortiment bei Amazon - immer nur ein kleiner Bruchteil des wirklichen Angebots abgedeckt, von tagesaktuellen Angeboten ganz zu schweigen. Beworben werden die teuer erstellten Plattformen dann durch wenig gezielte Marketing Aktionen, die - offline - und womöglich noch mit erhobenem Zeigefinger, die Bürger zu besseren „Local-Shopper“ erziehen wollen. Das Ergebnis solcher Plattformen ist fast durchweg ernüchternd. 

60% der Händler haben keine Zusatzumsätze

Eine von der Universität Koblenz durchgeführte, bisher unveröffentlichte Studie zeigt, dass bei 60 Prozent der teilnehmenden Händler weder die Zahl der Kunden im stationären Geschäft, noch der Umsatz gestiegen ist. 70 Prozent geben an, dass Angebote wie „Click and Collect“ oder „Onlinekauf mit Lieferung“ in der Filiale selten bis nie genutzt werden. Der überwiegende Teil der Einzelhändler würden daher auch eine Teilnahme an solchen Initiativen nicht empfehlen.

 

Was genau läuft falsch?
Es werden hohe Summen in solche „Modellprojekte“ gesteckt - hier ist die Rede von bis zu 200.000 Euro für eine Plattform einer 25.000 Seelengemeinde. Das allein ist schon Irrsinn. Laufen die Modell-Projekte und öffentlichen Förderungen aus, verschwindet meist auch das Projekt wieder unauffällig aus dem Netz. Unauffällig, weil weder von der Bevölkerung noch von den Händlern genutzt. Warum auch? Wozu brache ich als Eschweger, ein Verzeichnis der Eschweger-Einzelhändler auf einer eigens dafür erstellten Plattform? Kenne ich nicht die Geschäfte in meiner Stadt? Gehe ich nicht schon lange zu Friseur und zur Autowerkstatt meines Vertrauens. Weiß ich nicht wohin ich muss, wenn ich mir ein neues Auto kaufen will?

Warum soll eigentlich ein Einzelhändler für einen Eintrag auf so einer Plattform bezahlen? Lege ich als Händler einen kostenlosen Eintrag bei Google-Maps an, bin ich für die Nutzer präsenter und schneller auffindbar, als es eine solche Plattform wohl jemals leisten können wird. Die Idee einer Plattform, die nur Adressen und Öffnungszeiten bietet, ist daher wohl eher sinnfrei. Eine solche Plattform wird nicht funktionieren. Es fehlt schlicht der Mehrwert. Warum solle ich als User erst auf diese Plattform gehen, wenn ich die Daten viel schneller bereits einen Schritt zuvor - nämlich bei Google finde? 

 

Bloße gemeinschaftliche Präsenz ist kein Mehrwert
Oft wird auch über eine lokale Produktsuchmaschine versucht das Angebot der Händler auf solche Marktplätze zu bringen. Das scheitert jedoch häufig an der mangelnden Digitalisierung vieler Einzelhändler oder Dienstleister. Sich jeden Tag bei einer Website anzumelden, um ein neues Angebot zu veröffentlichen, macht nur, wer anschließend auch Kunden im Laden sieht, die sich dieses Produkt kaufen. Kommt keiner, sinkt die Bereitschaft schnell und Resignation macht sich breit. Aus der geplanten Online-Verkaufsplattform mit den Produkten der Region wird ein überschaubarer, meist veralteter und wenig genutzter, staubiger Marktplatz.

Ganz abgesehen davon, dass solche Local-Commerce-Plattformen weder mit den Preisen, noch mit der Auswahl von Amazon oder Zalando, auch nur annähernd mithalten können. Diese Angebote widersprechen grundlegend dem, was Verbraucher wollen. Die bloße gemeinschaftliche Präsenz der regionalen Händler im Netz bildet für den Kunden noch keinen Mehrwert.

Wir kommen aus der selben Stadt - ist das heute noch ein Kaufgrund? Kauf hier, Tu’s hier, Lokal Genial oder Kaufdaheim ein - das ist kein Alleinstellungsmerkmal, das ist kein Mehrwert. 

 

Die Zukunft liegt im grenzenlosen
Lokale Händler haben nur eine Chance, wenn es Ihnen gelingt, sich ein Stück vom großen Kuchen abzuschneiden. Wenn sie es schaffen, über die Grenzen der Region hinauszukommen. Die Zielgruppe von vornherein zu begrenzen ist ein Fehler. Einzelhändler müssen dahin, wo die Kunden sind und nicht darauf warten, dass die Kunden zu ihnen kommen. 

Bauen Sie Ihren Service mit einer eigenen Webpräsenz aus, verbinden Sie die Online-Welt mit Ihrem Offline-Ladengeschäft. Suchen Sie sich eine Nische, oder vernetzen Sie intelligent Ihre Kunden. Schauen Sie auch nach Möglichkeiten abseits Ihrer bisherigen Produkte oder Strategien.

Versuchen Sie nicht mit Amazon zu konkurrieren - es wird ihnen die Puste ausgehen. Nutzen Sie Regionalität als Besonderheit, einzigartige Produkte mit Alleinstellungsmerkmal lassen sich auch überregional verkaufen. 

 

Digitalisierung heisst auch was neues wagen. 
Versuchen Sie sich, starten Sie etwas im digitalen Bereich - und starten Sie jetzt. Es ist für jeden einzelnen Händler wichtig die Initiative zu ergreifen. Warten Sie nicht auf Andere, warten Sie nicht auf die nächste Plattform oder die nächste Digitalisierungs-Idee in Ihrer Region. 

Handeln Sie selbst, handeln Sie jetzt.

Wir unterstützen und beraten Sie bei Ihren Vorhaben, helfen bei der Ideenfindung und programmieren mit Leidenschaft Ihre Projekte. 

Nehmen Sie unverbindlich mit uns Kontakt auf.

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