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14.02.2019

Politikblindheit in der Digitalisierung

Konsequenter Stillstand
Die deutsche Politik hat sich noch immer nicht richtig an das Thema Digitalisierung herangetraut. An Finanzkraft würde es diesbezüglich zwar nicht fehlen, der lang ersehnte Umschwung bleibt bisher allerdings aus. Neuerdings stellt der Bund zwar 3 Milliarden Euro für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz bereit, dass aber im Zeitraum bis zum Jahr 2025. Mit diesen 3 Milliarden Euro will Deutschland nun führend im Bereich der Künstlichen Intelligenz werden. Bedenkt man, das China bereits 2017 verkündet hat, die eigene KI-Wirtschaft mit umgerechnet rund 18 Milliarden Euro auszubauen und bis 2030 rund 150 Milliarden Euro in KI investieren will, der Umsatz von Google im letzten Jahr knappe 136 Milliarden US-Dollar betrug, ist das wohl eher eine Augenwischerei. Zurückzuführen ist der Digitale-Stillstand auf die seit Jahren anhaltenden Uneinigkeiten zwischen Bund und Ländern, die sowohl in der Bildung als auch im gewerblichen Sektor bisher keine Einigung erzielen konnten und möglicherweise auch auf alte Denkstrukturen, die noch immer an dem Industriestandort Deutschland festhalten. Made in Germany - das waren noch Zeiten. Aber ist das heute noch so? Wie geht es weiter mit einem Industriestaat, der die Zeichen der Zeit nicht wahrnimmt? 


Mangelnde Umsetzung von Digitalkonzepten
Im Deutschen Bundestag hat sich die Debatte im digitalen Bereich innerhalb des letzten Jahres deutlich verschärft. Dennoch wurde sie regelmäßig von den anderen Themengebieten überdeckt, sodass es auch 2018 nicht zum gewünschten Durchbruch kommen konnte. Ein potenzieller Ansatz wurde Ende des letzten Jahres zwar mit dem Digitalpakt zur Bildung erlangt, der allerdings nur einen kleinen Bereich der notwendigen Baustellen in den Vordergrund stellt.

Auch wenn Schulen nun staatliche Unterstützung für Computer und Tablets erhalten sollen, liegt der Ursprung des Problems bereits deutlich tiefer. Nur wenige Bildungseinrichtungen verfügen bereits über nutzbare WLAN-Anschlüsse, die eine reibungslose Verwendung der modernen Technik überhaupt möglich machen würden. Die restlichen Schulen, die in der Regel nicht einmal über funktionale Beamer verfügen, sind von der digitalen Revolution sogar noch viel weiter entfernt.


Problemfall Internet – Deutschland auch bei der Datengeschwindigkeit hinterher
Das Problem des mangelhaften Glasfaserausbaus und schlecht umgesetzter Datennetze macht sich nicht nur im Bereich der Bildung bemerkbar, sondern vor allem innerhalb der Wirtschaft. Viele Industrie- und Wirtschaftszweige sind auf gute Internetleitungen und ein günstiges Netz angewiesen, um innerhalb Deutschlands profitabel arbeiten zu können. Besonders in strukturschwachen Regionen ist dieses Problem äußerst ausgeprägt und in einigen Dörfern ist bis heute kein Empfang zu finden.

Derartige Zonen sind für die moderne Wirtschaft schlicht nicht nutzbar, so dass sich Deutschland als Wirtschaftsstandort immer weiter ins Abseits befördert. Im weltweiten Vergleich ist Deutschland dabei nicht unter den besten 25 Ländern zu finden, was für den Exportweltmeister und dessen Politik ein herber Rückschlag sein sollte. Selbst wenn sich das Internetproblem durch einen politischen Richtungswechsel in naher Zukunft bewältigen lässt, stehen einer funktionalen Umsetzung der Digitalisierung allerdings noch viele weitere Probleme im Weg.

Die Zukunftsmusik einer digitalen Arbeitswelt
Was in anderen Ländern Europas und besonders Asiens bereits Realität geworden ist, wird in Deutschland nur am Rande beobachtet. Die Künstliche Intelligenz, eines der vielseitigsten und innovativsten Projekte der Gegenwart, entwickelt sich zunehmend weiter und sorgt für eine Optimierung staatlicher Betriebs- sowie Arbeitsabläufe. Das politische Kernargument, durch das jegliche Verhandlungen zu diesem Thema hier in Deutschland stets ein schnelles Ende nehmen, ist allerdings das Problem des Verlustes an Arbeitsplätzen.

Kaum ein anderes Land scheitert in einer derartigen Fülle daran, seine Bevölkerung von den Chancen und Möglichkeiten einer digitalen Zukunft zu überzeugen und dabei zu helfen, in Innovation und Technik zu vertrauen. Künstliche Intelligenz muss dabei nicht zwangsläufig ein Vernichter von zahlreichen Arbeitsplätzen sein, sondern bietet eine gewisse Erleichterung sowie einen völlig neuen Tätigkeitsbereich auf dem hektischen und auf Effizienz getrimmten Arbeitsmarkt.

 

Der Handlungsbedarf ist unübersehbar
Um innerhalb der Wirtschaft zukunftsfähig zu bleiben, ist ein Richtungswechsel unumgänglich. Jeder weitere Tag, an dem die Notwendigkeit einer derartigen Wende durch die Politik gekonnt ignoriert wird, schadet nachhaltig der deutschen Wirtschaft. In vielen Bereichen hat Deutschland bereits den Anschluss verpasst, weshalb zumindest jetzt eine Art Aufholjagd gestartet werden sollte. Im digitalen Sektor ist es durch konsequentes Einlenken noch immer möglich, die Erfolgskonzepte der Künstlichen Intelligenz hier vor Ort umzusetzen - ob dazu die bereitgestellten 3 Milliarden ausreichen, bleibt allerdings sehr fraglich. Diskussionen um Upload-Filter, mit denen innovative Ideen und Start-Ups bereits vorab mit hohen Kosten und Einstiegshürden belegt werden, sind zudem alles andere als zielführend - will man im Bereich Künstliche Intelligenz nicht noch weiter ins Abseits gestellt werden.

Dass die Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren hauptsächlich aufgrund der großen, verfügbaren Datenmengen den heutigen Reifegrad erreicht hat, scheint in vielen politischen Köpfen noch nicht angekommen zu sein. 

Digitalisierung erfordert Mut und Veränderung – genau diese Anpassungen, wurden bisher durch die Politik allerdings umgangen.

 

Kaum ein anderes Land scheitert in einer derartigen Fülle daran, seine Bevölkerung von den Chancen und Möglichkeiten einer digitalen Zukunft zu überzeugen und dabei zu helfen, in Innovation und Technik zu vertrauen.
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