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01.04.2019

Digitalisierung im ländlichen Raum

Wie Deutschland seit Jahren hinter den Erwartungen zurückbleibt
Das Deutschland im Jahre 2019 hat es bis heute nicht geschafft, für einen flächendeckenden Handyempfang sowie standortunabhängiges Internet zu sorgen. Die Folge dieser stagnierenden Entwicklung ist, dass die ländlichen Räume nicht die Möglichkeit haben, mit dem Fortschritt der großen Städte mitzuhalten und im Vergleich auf diese Weise deutlich zurückhängen. Aber was genau läuft im Bereich der Digitalisierung falsch und welche konkreten Folgen entstehen aus diesem Verlust dieser Chancengleichheit?

Das Internet als Garant des Erfolges
Für zahlreiche Unternehmen stellt das Internet eine der größten Einnahmequellen dar. Über ihre eigenen Websites können die Firmen beispielsweise ihre Produktionsgüter verkaufen und werden auf diese Weise Teil des globalen Marktes. Die gesamte Entwicklung dieser Unternehmen hängt dabei von einer digitalisierten Umgebung ab, durch die eine Investition in die eigene Zukunft möglich wird. Unternehmen im ländlichen Raum haben allerdings häufig die Probleme, von diesen innovativen Entwicklungen abgeschlossen zu sein, wodurch ein funktionierendes Wirtschaftswachstum kaum möglich ist.

Fehlt beispielsweise das Internet, bleibt nicht nur der Verkauf im digitalen Raum aus. Auch die Möglichkeiten einer digitalen Verwaltung und Erreichbarkeit sind durch fehlende Digitalstrategien nicht mehr gegeben, wodurch eine Reaktion auf die Bedürfnisse des Marktes keineswegs möglich ist. Auf dieser Grundlage werden viele Unternehmen dazu gedrängt, in die größeren Städte abzuwandern und den Heimatort im Stich zu lassen. Als Beispiel lassen sich zahlreiche Gebiete Brandenburgs aufzählen, die durch mangelnde Digitalumsetzung teilweise bis heute ohne Handyempfang auskommen müssen. Dass ein derartiges Gebiet keinen fruchtbaren Boden für ein gedeihendes Unternehmen darstellt, ist dabei keine Überraschung mehr.

Fehlende Flexibilität ohne Digitallösung
Die Folge aus diesem wirtschaftlichen Rückgang im ländlichen Raum ist, dass auch jüngere Menschen in die Städte ziehen, um dort beruflich erfolgreich und mobil sein zu können. Daraus entsteht vor allem in den Landgebieten eine zunehmende Überalterung, die sich auf den Arbeitsmarkt im gesamten Land auswirkt. Durch den Abgang engagierter und fleißiger Fachkräfte geraten Dörfer und abgeschlagene Kommunen somit in einen Kreislauf, aus dem sie sich ohne digitale Strategien nicht retten können.

Ein derartiger Personalmangel geht dabei einher mit mangelnden Qualifikationen, wodurch ein ländlicher Raum kaum die gleichen Chancen auf Erfolg bieten kann, wie ein digitalisiertes Stadtzentrum. All diese Faktoren ergeben gemeinsam eine strukturelle Katastrophe, die sich ohne eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie nicht lösen lässt. Bereits zahlreiche Gebiete sind durch diese Entwicklung beinahe ausgestorben und haben ihren einstigen Glanz verloren.

Abgeschnittenes Dorfleben – wenn die Klischees über das Leben auf dem Land wahr werden
Auch im Bereich der Bildung haben die ländlichen Gebiete einiges nachzuholen. Häufig mangelt es an ausreichend Schulen, da in vielen Dörfern nicht genug Schüler zum Eröffnen einer eigenständigen Bildungseinrichtung vorhanden sind. Besonders dramatisch ist dies bei Universitäten, die sich eigentlich nur innerhalb der Stadt oder im nahen Umkreis wiederfinden lassen. Potenzielle Studenten aus ländlicheren Gebieten werden somit zum Abwandern in die Stadt gezwungen und kehren voraussichtlich auch nach dem Studium nicht wieder in die Heimat zurück.

Die Jobchancen in der Stadt stehen dadurch deutlich besser als auf dem Land, wodurch lokale Unternehmen nicht den Hauch einer Chance haben, sich gegen die besser entwickelten und innovativeren Konkurrenten aus der Stadt durchzusetzen. Mithilfe einer funktionalen Digitalisierungsstrategie muss aus diesem Grund der Grundstein gelegt werden, um Technik, Innovation und eine gesunde Entwicklung auch in die Städte zurückzuführen.

Der ländliche Raum zu Zeiten der Arbeit 4.0
Die Arbeit 4.0 als ein Konzept, das standort- und zeitunabhängiges Zusammenarbeiten fördern soll, trifft aus politischer Sicht in letzter Zeit auf viel Zustimmung. Betriebe sollen auf diese Weise schneller und genauer miteinander interagieren können und das lösungsorientierte Arbeiten schnellstmöglich vorantreiben. Auch wenn derartige Innovationen und Strategien zur Förderung der Wirtschaft durchaus gut und zukunftsfähig klingen, sind die Gebiete fern ab der Ballungsräume die Leidtragenden dieser Entwicklung.

Die Flexibilität als Grundkonzept ist somit zwar eine gute Idee zur Steigerung der Produktivität und Optimierung der Arbeit, lässt sich im Dorf allerdings nicht umsetzen. Als Lösung für dieses Problem werden häufig Ideen wie beispielsweise lokale "Regionalportale" vorgestellt, durch die die heimischen Unternehmen gerettet werden sollen. Das dies in einem unabhängigen und globalen Markt allerdings nicht funktionieren kann, zeigt sich täglich in der Praxis.

Selbst wenn derartige Regionalportale funktionieren würden, wären sie von einer funktionierenden Digitalisierung auf dem Land abhängig, die allerdings heute und voraussichtlich auch in Zukunft jedoch nicht gegeben sein wird. Nicht die Entwicklung selbst ist dabei das Problem, sondern die politische Förderung der bevölkerungsschwächeren Gebiete, die sich vor allem im Osten des Landes befinden. Um Arbeitsplätze zu schaffen und einem zunehmendem Abgang qualifizierter Fachkräfte entgegenzuwirken, sind gleiche Löhne, aber auch identische technische Voraussetzungen nötig. Nur so ist innerhalb Deutschlands ein fairer Wettbewerb möglich, der sich nicht durch eine zunehmende Digitalität manipulieren lässt.

Zukunftsfähigkeit ist eine Frage der Ausrüstung
Die Regierung ist daher jetzt in der Verantwortung, alle Gebiete innerhalb Deutschlands digital auf einen gleichmäßigen Stand zu bringen und der Ungleichheit entgegenzuwirken. Nur so können sich Probleme wie mangelnde Qualifikation und ein daraus resultierender Verlust an Personal vermeiden lassen. Innovation kann dabei nur funktionieren, wenn alle Seiten profitieren. Ein ländlicher Raum hat auf dieser Grundlage dieselben Möglichkeiten wie die städtischen Bereiche verdient, um der Konkurrenz nicht von Beginn an klar unterlegen zu sein. Was für die Einen dabei ein wahrer Segen ist, kann für die Anderen schnell zum Fluch werden.

Abgeschnittenes Dorfleben – wenn die Klischees über das Leben auf dem Land wahr werden
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